Culatra Ankerbucht
 
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Portugal, Algarve 13. Juli 2017

Nachdem wir einige faule Tage in Lagos verbracht haben, muss ich mich ja mal wieder melden. 

Es ist geplant, dass wir heute in der Nähe von Faro für einige Tage ankern werden. Wir genießen es, dass wir hier in der Algarve nicht mehr auf die zwar langen aber doch hohen Wellen des Atlantiks treffen. - Unser neues Leichtwindsegel ist nach Lagos geliefert worden. Es hat einen Topdownfurler, dass heisst, wir können es einfach aus- und einrollen und müssen uns nicht mit einem Sack rumquälen. Gestern haben wir es ausprobiert und es hat dazu geführt, dass Hartmut ganz begeistert ist. Auf seinen Wunsch hin habe ich einen kleinen Film gedreht. - Ansonsten ist hier wunderbares Wetter, mittags etwas heiß, am Nachmittag kommt häufig etwas stärkerer Wind. Ich genieße die Wärme sehr. Meine Rückenprobleme sind besser geworden. Und es ist wirklich toll, immer nur leichtbekleidet herumlaufen zu können.


ÖPNV in Lissabon oder wie wir einen ganz besonders netten Taxifahrer kennenlernten
Sicher kennen die meisten von Euch die netten alten Straßenbahnen, die überall in Lissabon herumgondeln und quietschen. Gleich in der Nähe der Marina, in der wir zentrumsnah einen Platz gefunden hatten, ist eine Haltestelle, an der die 15 E, eben eine solche als alte Version und aber auch eine schnelle moderne Version, hält. Nur ein paar Stationen bis zum Stadtzentrum, die es manchmal aber auch in sich haben, denn nachmittags sind diese Bahnen stoppevoll mit Touristen, die von Belem in die Stadt fahren. So sind wir nach vielen Jahren der Abstinenz vom Schwarzfahren 2 Mal wieder zu dem Vergnügen, umsonst zu fahren, gekommen, weil man sich nicht durch die vielen Leute zum Fahrkartenautomaten durchdrängeln konnte. 
Nachdem wir also 6 Euro gespart hatten, wollten wir diese abends in eine Taxifahrt investieren und haben am Straßenrand ein Taxi durch Winken herangerufen. Der freundliche portugiesische Fahrer verstand, wohin wir wollten, zur Marina also. Ach, ob wir mit dem Boot da seien? Schnell waren in ein Gespräch verwickelt, bei dem herauskam, dass seine Tochter bei UMEA (in Schweden; die interessierten Leser unseres Blogs wissen, dass wir 2014 dort wegen Motorschadens einige Zeit verbracht haben) wohnt und dort verheiratet ist. Da kam aus mir die Frage heraus, ob sie einen schwedischen Husband hat und er antwortete, nein es ist ein GIRL!!!! Und außerdem haben die Beiden zwei Kinder, auf die er sehr stolz sei. Ein lustiges, schnelles Gespräch über Schweden, über Umea und über die Kinder entwickelte sich, was wir leider beenden mussten, weil wir am Ziel angekommen waren.  

Ich besuche Pessoa. Er ist einfach GROSSartig.

Lissabon, 27. - 30. Juni 2017
Wie die Seefahrer in den vergangenen Jahrhunderten fahren wir unter Segeln den breiten Tejo hinauf an Belem vorbei nach Lissabon. Das Wasser ist wunderbar hell und grün und leicht wellig. Der Tag sonnig und frisch. Einfach herrlich. Das ist doch was Anderes, als mit dem Flugzeug (in 2,5 Std vom HH) hierher zu kommen. Unter der langen Brücke hindurch steuern wir bei 6 Beaufort die Marina an. Vor der Einfahrt muss ich über Funk bitten, dass die davor liegende Fußgängerbrücke geöffnet wird, Kanal 68. Nach 9 Minuten können wir passieren und suchen uns einen schönen Platz an einem Fingersteg. Nach der aufwändigen Anmeldung beim Hafenmeister (wieviel Maste hat das Boot usw) wollen wir in die Stadt, damit Hartmut endlich mal wieder einen anständigen Eisbecher essen kann. Die Marina liegt sehr nah an der Innenstadt, nur einige Stationen mit der alten Tram. Tatsächlich findet sich ein Italiener mit richtig gutem Eis am schönsten Platz überhaupt. So sitzen wir ganz glücklich in der Sonne und beobachten, was die anderen Menschen so machen. 
Jetzt sind wir den dritten Tag hier, gestern hatten wir 66. Geburtstag, den wir abends bei einem Italiener (den mit mit dem Eis) am Praca do Comercio mit einer guten Flasche Rotwein vom Tejo gefeiert haben. 
Vielen Dank für die vielen lieben Emails und Messages!!!! Wir haben uns riesig gefreut, dass Ihr an uns denkt, obwohl wir so lange so weit weg sind. Schluchz! 
Wie die Eingeweihten wissen, ist das ja auch der 40. Jahrestag unseres Zusammenziehens. Hochzeitstag…
Vorgestern haben wir uns Torre de Belem und das Denkmal der Entdecker angeschaut. Geschmackssache. 
Wenn man Eroberer mag, dann gefällt einem sicher auch ein Denkmal aus der Zeit des portugiesischen Diktators Salazar. 
Heute müssen wir erst einmal Lebensmittel einkaufen und dann wollen wir Fernando Pessao, einem bedeutenden Dichter und Schriftsteller, der leider aber schon 1935 gestorben ist, treffen. Ein Mann mit einer ausgeprägten Phantasie und anarchistischen Vorstellungen. Er hat Heteronyme entwickelt, diese stehen für verschiedene fiktive Autoren mit eigenen Biographien, eigenen Schreibstilen, Themen, Motiven und philosophischen Kontexten. Mangels anderer interessanter Menschen hat er sich so Gesprächs- und Lebenspartner erschaffen.
Abstimmung heute im Bundestag EHE FÜR ALLE: 393 dafür, 226 dagegen. Gute Entscheidung.





Wir sind in Lissabon
Liebe Anne*.                                       24. Juni 2017.      *der Name wurde von mir geändert

vielen Dank für Deine liebe Email. Die Biskaya liegt gefühlt schon weit weg für uns. Natürlich freuen wir uns, dass Du stolz auf uns bist, dass wir die Biskaya "bezwungen" haben. Dir und vielen anderen FreundInnen verdanken wir es, dass wir so weit gekommen sind.  
Von Porto (was eine tolle Stadt) nach Figueira da Foz mussten wir leider den Motor anstellen. Gestern haben wir nach einem schönen langen Tag (mal wieder richtig viel gesegelt) hier in Peniche angelegt. 
Abgesehen vom schönen Segeln war es ein großer Spaß, dass uns viele Delfine auf unserem Weg über lange Zeit begleitet haben. Sie spielten um unser Boot herum und tauchten unten durch. Diese Tiere haben ja eine unheimliche Dynamik!

Peniche: Ein Fischereihafen, der durch die vielen Fischerboote, die den ganzen Tag rein- und rausdüsen, bestimmt wird. Hier ist eine Festung, die 1570 erbaut wurde, in der während der Salazardiktatur politische Gefangene gesessen haben. 
Einiges an Tourimus ist hier, das kommt durch die hier so hohen Brandungswellen und einer sehr malerischen vorgelagerten Insel namens Belengas. Unglaublich anzusehen sind die hohen dunklen Klippen. Davor gab es die bei uns normalerweise nicht so beliebten Kreuzseen, gestern allerdings war das harmlos.
Die nächten Tage geht es weiter nach Cascais und dann nur noch 12 Seemeilen, dann erreichen wir Lissabon. 
Die Fotos sind nicht von mir.





Porto (Portugal) 18.06.2017 
Marina Douro
Hier im Hafen: "Don't worry be happy" , ein Segelboot an Steuerbord, gegenüber "Be Happy", das hätte es gar nicht gebraucht. Wir sind auch so sehr glücklich, in Porto zu sein. Übrigens: Es fühlt sich so weit weg an von Kirchhatten. Dabei kann man in ein paar Stunden in Bremen sein mit dem Flugzeug. Nein, das haben wir nicht vor. Es geht für uns auf diese Weise immer weiter entlang an der portugiesischen Küste und dann wieder an der spanischen, immer auf der Malsehnwieweitwirkommen-Route. Wir sind nicht die einzigen Segler hier, die es so halten. Ertan, der türkische Engländer sagt: I don't have a timetable. Frauke und Andreas meinen: Wir haben keine Eile. Und die beiden Holländer: Wir fahren Richtung Mittelmeer, mehr wissen wir noch nicht. In Baiona haben wir die 20 Boote von der ARC getroffen, da sind wir froh, dass wir nicht mit denen im Konvoi von England aus die Biskaya gequert haben. Die meisten Boote sind viel länger als wir. Nein, nicht deswegen, wegen unserer Bootslänge. Da sitzen eben ganz andere Leute auf den größeren Schiffen. Kaum angelegt, schon Party. WikiWiki. 
Ich sage Euch, je südlicher wir kommen, desto mehr schrumpelt unser Schiff. In der Ostsee waren wir manchmal ganz schön groß, das ist vorbei. Die meisten Boote hier sind mehr als einen Meter länger. Unser Boot ist übrigens das Beste von allen, klar, oder? 
Ertan hat sich uns ausgeguckt, er ist, scheint so, lieber gelegentlich mit Leuten zusammen, als immer allein auf seinem Boot, alle paar Tage abends zusammen essen gehen oder lecker an Bord kochen, das mag er. Er ist sehr großzügig und sehr freundlich. Frauke und Andreas versuchen uns einzuholen, schwierig, wenn man alle 4 Wochen für 14 Tage zur Pflege der Mutter nach Hause muss. Dafür haben sie den Vorteil, wir können sie über unsere Route und Häfen informieren. 

Die Luft & Liebe ist gut zu uns, meistens alles in Ordnung, es ist so ein tolles Leben an Bord. Derzeit sollen hier 35 Grad sein, Davon merken nur was, wenn wir in die Stadt gehen, was wir gleich machen werden. In Viana, wo wir gestern waren, durften wir ein tolles mittelaltertliches Fest erleben mit Theateraufführung um 12 Uhr nachts. Heute also Porto, eine alte Stadt mit großer Seefahrertradition, für uns natürlich sehr interessant. Ich lade bei Gelegenheit Fotos hoch, im Moment habe ich kein ausreichendes Internet.