Von Muxia nach Muros
Wenn Hartmut innerhalb einer halben Stunde drei mal gesagt hat: "Christa, das ist doch so ein richtig schöner Segeltag, nee?" dann muss das so ein Tag wie der Sonntag sein, an dem wir von Muxia losgesegelt sind so um 8 Uhr am Morgen. Alles passt, der Wind treibt uns mit dem Blister und anfangs so um 10 Knoten herum in Richtung Muros an der Costa da Muerte entlang und dann später vorbei am Cap Finisterre. Die Wellen mit prognostizierten 2 Metern sind durch die Länge angenehm zu fahren. Die Sonne scheint und Hartmut öffnet das Bimini. Ich kann mich in der Achterkabine etwas zum Dösen hinlegen. während Hartmut (3 Segler - eine Regatta) seine Ehre und sein seglerisches Knowhow daran setzt, die anderen nicht an uns vorbei zu lassen. Der Holländer hinter uns schafft es nicht, uns zu überholen. So segeln wir hintereinander die 42 Seemeilen an dieser herrlichen Küste entlang. Nachmittags wird der Wind um einiges stärker, wie das wohl oft hier ist an der Küste. Noch bis tief in die Bucht - Ria da Muros - hinein, bis kurz vor dem Hafen, gelingt es uns, ohne Motor voranzukommen. Die Einfahrt zum Hafen ist leicht zu finden und es sind genügend Liegeplätze vorhanden. Der Holländer kommt ganz kurz nach uns auch rein und ich laufe schnell hin, um ihm beim Anlegen zu assistieren. "Christa, das war doch ein richtig schöner Tag!" ja, war es!!!!
Und heute ein richtig deutsches Frühstück mit Ausblick
Muxia - ein magischer Ort?
Hier ist also das Ende des Camino Real, des Jakobswegs. Wenn es die vielen Wanderer aus vielen Ländern hier nicht geben würde, wäre der Ort sicher total ausgestorben. So bevölkern diese Menschen in ihren Wanderklamotten und mit ihren Rucksäcken die wenigen Restaurants und Bars am Hafen. Viele tragen die Jakobsmuschel als Zeichen am Hut, an der Jacke.
In der Marina ist Totentanz. Nichts los, wir sind die einzigen Segler hier. Deshalb ist es auch so wunderbar ruhig.
Man nennt diesen Küstenabschnitt auch die Costa da Muerte, die Todesküste. Ein Name, der für viele Tiere im Jahr 2002 zur bitteren, öligen Realität geworden ist. Der Öltanker PRESTIGE ist vor der Küste auseinander gebrochen und gesunken. 70.000 giftiges Schweröl hat von da an das Leben der Tiere und Menschen bestimmt. Muxia und alle Strände und die Küsten hier waren voll mit schwarzem giftigem Öl, die Magie dieses Ortes dahin.
Nun sind 15 Jahre vergangen und man sieht auf dem ersten Blick nichts mehr. Die Promenade und die Häuser sind aufgehübscht, es ist ein neuer Yachthafen vorhanden.
Oben bei der Kirche am Ende des Jacobswegs steht ein Mahnmal, um an dieses Unglück zu erinnern. Und viele der Wanderer werden von dem schrecklichen Schicksal dieses Ortes nichts wissen.
Für uns beeindruckend, dass wir schon das zweite Mal auf unserem Weg solch ein Tankerunglück wahrnehmen, das erste Mal vor der bretonischen Küste im Chenab du Four, die AMOCO CADIZ 1978 mit 223.000 t Rohöl.
Biskaya-Überquerung
Frankreich, Camaret-sur-Mer, Mittwoch, 17.05. 6:52 Uhr Abfahrt
Spanien, A Coruna, Freitag, 19.05. 14:17 Uhr Ankunft
Im Vorwege haben wir natürlich viele Törnberichte über die Biskaya gelesen. Eigentlich waren das fast alles Gruselgeschichten (es soll eines der härtesten Seegebiete überhaupt sein). So gab es Tage, da dachte ich, es wäre besser, wieder in die Ostsee zurück zu segeln. Aber als wir in Camaret auf eine Prognose für ein segelbares Wetterfenster warteten, trafen wir den Dänen Karsten Carstensen, der es mit seinem kleinerem Schiff trotz Motorschaden geschafft hatte, mit guter Laune diese Strecke hinter sich zu bringen. Das war dann der Anstoß.
Am Dienstag kam eine halbwegs gute Prognose durch „Wetterwelt“ (Böen nur bis 7Bft und Wellen nur bis 2,50m), da mussten wir uns den Schubs geben, sonst wären wir noch ewig in diesem schönen Hafen liegen geblieben. Bestens ausgerüstet, alle Tanks aufgefüllt, alle Schrauben nochmal angezogen, alle Leinen kontrolliert und mit vorgekochten leichten Mahlzeiten haben wir uns also morgens um kurz vor sieben auf den Weg gemacht.
Ja, dieTage und Nächte waren unangenehm, anfangs dichter Nebel, einen Tag viel Regen, Wind bis 35 Knoten, Kälte, Wellen, angeblich nur 2,50 m hoch. Wir glauben, da waren doppelt so hohe dabei, für uns waren das jedenfalls Wellenmonster. Die Nächte waren manchmal unter den Wolken so dunkel, dass man nicht genau wußte, wo ist oben und wo ist unten. Bestimmend war das Gefühl, man ist in einer Waschmaschinentrommel, nur dass man hinterher nicht sauber ist, im Gegenteil. - Man klammert sich an einer Stelle im Cockpit fest und schon gehts wieder entgegengesetzt. Blaue Flecken schmücken die/den Biskaya-SeglerIn. Wird den Socken eigentlich auch schlecht im Waschgang? Das Ganze lässt sich auch bei bestem Willen nicht als Freizeitspaß bezeichnen. Drei Tage und zwei Nächte kein Essen, kein Trinken und keinen Sex.
Hoch am Wind (der Wind kommt dann ziemlich von vorne) segelten wir in unserem ruppig schaukelndem Schiff die 350 Seemeilen ab. Die Fischerboote, deren unvorhersehbaren Weg wir kreuzten, machten uns das Leben auch nicht leichter. Jetzt, im Rückblick, wundere ich mich, dass es mir eigentlich halbwegs gut gegangen ist. Wir Beide haben es als Crew wunderbar hingekriegt, im gemeinsamen Durchhalten sind wir ja Weltmeister. Unser Schiff, eine echte „FILMLING 117", hat einen fantastischen Job gemacht. Die Belastungen für alle Beschläge sind schon enorm (so wie beim Verbrauchertest ein Hammer 60Std auf dieselbe Stelle haut).
Als wir in A Coruna in den Hafen einfuhren, waren wir einfach nur froh, dass es endlich vorbei war.
Und jetzt sind wir doch ein wenig stolz, dass wir es geschafft haben.
Camaret-sur-Mer, 10. Mai
Ich habs ja eigentlich vor ein paar Jahren nicht geglaubt, dass wir es bis nach Camaret schaffen mit dem Segelboot. Und jetzt liegen wir hier am Steg und freuen uns darüber. - Die Bretagne ist schon eine windige Angelegenheit. Den berüchtigten Chenal du Four haben wir bei besten Wetter erlebt. Jetzt erledigen wir noch das eine und andere und bereiten die Fahrt durch die Biskaya nach A Coruna vor. Es liegen hier ne Menge interessante Boote, die auch auf ihren Absprung warten. Alle ein ganzes Stück länger als wir. Wahrscheinlich beobachten sie alle ihre Wetterdienste. Und, so wie ich, studieren die Seekarten und zeichnen die Route ein. Auf Plotter, Ipad, Garmin und Papierkarte. Das ist doch genug Sicherheit oder? Gestern haben wir uns mit unserem Satellitentelefon beschäftigt. Auch nicht so einfach. Aber wichtig für uns, dann können wir in Zukunft täglich die Wetterdaten unabhängig vom Internet empfangen. - Camaret ist schön, wie bisher alle Plätze, an denen wir in der Bretagne waren. Wir freuen uns auf Galizien..
Ich habs ja eigentlich vor ein paar Jahren nicht geglaubt, dass wir es bis nach Camaret schaffen mit dem Segelboot. Und jetzt liegen wir hier am Steg und freuen uns darüber. - Die Bretagne ist schon eine windige Angelegenheit. Den berüchtigten Chenal du Four haben wir bei besten Wetter erlebt. Jetzt erledigen wir noch das eine und andere und bereiten die Fahrt durch die Biskaya nach A Coruna vor. Es liegen hier ne Menge interessante Boote, die auch auf ihren Absprung warten. Alle ein ganzes Stück länger als wir. Wahrscheinlich beobachten sie alle ihre Wetterdienste. Und, so wie ich, studieren die Seekarten und zeichnen die Route ein. Auf Plotter, Ipad, Garmin und Papierkarte. Das ist doch genug Sicherheit oder? Gestern haben wir uns mit unserem Satellitentelefon beschäftigt. Auch nicht so einfach. Aber wichtig für uns, dann können wir in Zukunft täglich die Wetterdaten unabhängig vom Internet empfangen. - Camaret ist schön, wie bisher alle Plätze, an denen wir in der Bretagne waren. Wir freuen uns auf Galizien..
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